Mental Health geht uns alle an!

2. September 2025 | Christine Fekete, work mastery

 

Die WHO beschreibt Mental Health als «Zustand des psychischen Wohlbefindens, der es Menschen ermöglicht, mit den Belastungen des Lebens umzugehen, ihre Fähigkeiten einzusetzen, gut zu lernen und zu arbeiten und einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten.» Mentale Gesundheit ist also essenziell, um das Leben in all seinen Facetten gut zu meistern, uns frei von psychischen Erkrankungen wohlzufühlen und aufzublühen.

 

Demgegenüber steht jedoch der beunruhigende Trend, dass immer mehr Menschen nicht in ihrer vollen Kraft stehen und mentale Erkrankungen sich auf hohem Niveau stabil halten. Laut aktuellen Zahlen der Schweizerischen Gesundheitsbefragung geben beispielsweise rund 14 % der Männer und 21 % der Frauen an, psychisch belastet zu sein und etwa jeder 12. Mann und jede 8. Frau hierzulande zeigen Symptome einer Depression. IV-Renten wegen psychischen Erkrankungen sind in der Schweiz von 31 % im Jahr 2000 auf 52 % im Jahr 2023 angestiegen und Zahlen aus dem Job-Stress-Index von Gesundheitsförderung Schweiz bestätigen ebenfalls den Trend zu mehr Erschöpfung in der Erwerbsbevölkerung. So fühlten sich in 2014 rund 24 % erschöpft, während es 2022 bereits 30 % waren. Neben dem individuellen Leid geht dies auch mit enormen Kosten für Arbeitgebende einher.

 

Die Ursachen dieses Trends sind vielschichtig. Ein Risikofaktor finden wir in den tiefgreifenden Veränderungen in Arbeitsformen und Arbeitsbedingungen durch Digitalisierung, Automatisierung und Flexibilisierung. Rasante Geschwindigkeit, mehr Unterbrechungen, Multitasking, Arbeitsplatzunsicherheit oder Entgrenzung der Arbeit durch unklare Trennung von Lebensbereichen als Folgen dieser Veränderungen wirken für viele Arbeitskräfte herausfordernd und ermüdend.

 

Mentale Gesundheit betrifft uns alle, auch Organisationen, Führungskräfte und Mitarbeitende. Doch wie können wir im Arbeitsumfeld präventiv handeln und gleichzeitig einen gesunden, respektvollen Umgang mit psychisch erkrankten Kolleginnen oder Kollegen fördern?

 

Impulse für ein mental-health-freundliches Arbeitsumfeld

Dass eine ‘Höher-schneller-weiter’-Mentalität, in der Überstunden und Dauerstress als Leistungsausweis gelten, keine gute Grundlage für mentale Gesundheit bietet, ist den meisten bewusst. Ein kritischer Blick auf die kulturellen Werte der Organisation kann helfen, ungesunde Leistungsnormen zu hinterfragen, belastende Strukturen sichtbar zu machen und gezielt Arbeitsbedingungen zu verbessern, hin zu einem Klima, in dem Gesundheit und Leistung kein Widerspruch sind. Mentale Gesundheit zu enttabuisieren und Führungskräfte zu sensibilisieren sind zwei weitere zentrale Schritte:

 

Tabu brechen und Mental Health zum Thema machen: Vielen Menschen fällt es leicht, über das gebrochene Bein aus den Skiferien zu berichten, wohingegen die anhaltende Traurigkeit oder die diffuse Angst, die den Schlaf raubt und die Konzentration stört, unausgesprochen bleiben. In vielen Branchen ist es auch weiterhin ein Tabu, über mentale Gesundheit zu sprechen. Oft spielt dabei die Angst vor Bewertungen mit, etwa als ‘schwach’ oder ‘wenig belastbar’ zu gelten oder Betroffene fürchten um ihre Stellung im Unternehmen oder gar um ihren Arbeitsplatz. Umso wichtiger ist es, mentale Gesundheit zu enttabuisieren, etwa durch Weiterbildungsangebote zu Themen wie Resilienz, Selbstmanagement oder achtsamer Führung. Auch ein offener Austausch im Rahmen von Feedback- oder Jahresgesprächen kann dazu beitragen, mentale Gesundheit zum Thema zu machen. Solche Signale schaffen Bewusstsein und vermitteln eine wertschätzende, unvoreingenommene Haltung gegenüber psychischen Belastungen.

 

Mental Health braucht Führungskompetenz:

Oft haben Führungskräfte ein gutes Gespür für das Befinden ihrer Mitarbeitenden und merken, wenn etwas nicht stimmt. Doch wie reagieren? Viele fühlen sich unsicher oder unvorbereitet, wenn es um mentale Gesundheit geht und hadern damit, die Bedenken auszusprechen, warten ab oder bagatellisieren ihre Wahrnehmung, solange die Leistung noch akzeptabel ist. Führungskräfte können gezielt darin unterstützt und sensibilisiert werden, den Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitenden sicherer und einfühlsamer zu gestalten. Ein Kommunikationstraining kann dabei hilfreiche Impulse geben, etwa im Hinblick auf Gesprächsführung, Empathie und Handlungssicherheit. Entlastend wirkt für viele Führungskräfte auch die Erkenntnis, dass sie keine therapeutische Rolle übernehmen müssen. Vielmehr geht es darum, vorurteilsfrei zuzuhören, gemeinsam Ressourcen zu aktivieren (‘Was hat dir in der Vergangenheit geholfen?’, ‘Was würde dich aktuell unterstützen?’) und je nach Schwere der Symptome zur Inanspruchnahme professioneller Hilfe zu ermutigen.

 

Fazit

Mentale Gesundheit ist ein zentrales Thema für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Die aktuellen Zahlen aus der Schweiz verdeutlichen die Dringlichkeit, mentale Gesundheit auch in der Arbeitswelt zu thematisieren und aktiv zu fördern.

 

Hilfreiche Links zum Thema:

Psychische Gesundheit im Unternehmen | Pro Mente Sana | Psychische Gesundheit stärken: Inspiration für Massnahmen zur Förderung psychischer Gesundheit in Unternehmen.

ensa – Home: ensa Erste-Hilfe-Kurse für psychische Gesundheit, auf Betroffene mit psychischen Schwierigkeiten zugehen und Erste Hilfe zu leisten.

https://aepsy.com/: Als betroffene Person schnell und unbürokratisch therapeutische Hilfe erhalten

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