März 26, 2026
Zwischen Zeitzonen, Kultur und Tools – Wie internationale Zusammenarbeit gelingt
26. März 2026 | Björn Nettingsmeier, Microsoft 365 Berater bei Arvato Systems
Treffen sich ein Schweizer, eine Deutsche, ein Inder und eine Australierin, die sich noch nie zuvor gesehen haben, in einer Kneipe. In der Mitte des Tisches liegt das Spiel „UNO®“.
Was nun passiert, ist magisch. Alle verbringen einen erfüllten Abend mit einem Kartenspiel, dessen Spielregeln einfach und weltweit bekannt sind.
Ganz anders stellt sich die Zusammenarbeit in internationalen Teams dar. Auch wenn sich die Menschen bereits kennen, wertschätzen und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, sind die Spielregeln häufig nicht klar genug definiert oder werden unterschiedlich interpretiert.
Als ich gestern Morgen Microsoft Teams öffnete, sah ich schon die ersten Nachrichten:
„Guten Abend aus Seattle! Denk bitte an …“
„Bonjour aus Paris! Was meinte David gestern mit …?“
„加油, aber spätestens bis morgen früh!“
Ein typischer Tag in meinem internationalen Projektteam: drei Kontinente, sieben Zeitzonen und ein gemeinsames Ziel.
In der Realität sind Meetings schwer zu koordinieren, Dokumente verschwinden oft in endlosen E-Mail-Ketten, Chatnachrichten werden übersehen, und jedes Teammitglied hat ein anderes Verständnis von „End of Business“.
Die richtige Frage stellen
Allen im Team war seit langer Zeit klar, dass sich an der Effizienz unserer Zusammenarbeit etwas ändern musste. In einem gemeinsamen Abstimmungstermin stellten wir schliesslich die entscheidende Frage:
„Wie können wir so zusammenarbeiten, dass niemand mehr das Gefühl hat, ignoriert oder abgehängt zu werden?“
Gemeinsam einigten wir uns nicht nur auf technische Werkzeuge, sondern vor allem auf ein gemeinsames Verständnis der Spielregeln und darauf, wofür die Technik konkret genutzt werden sollte.
Die Technik: Vom Werkzeug zur echten Verbindung
Technische Lösungen sind kein Garant für perfekte Zusammenarbeit, aber sie sind eine wesentliche Voraussetzung für effizientes Arbeiten.
Microsoft 365 als digitaler Arbeitsplatz
- Microsoft Teams soll der Ort werden, an dem wir zusammenkommen. Wir nutzen Kanäle und einen abgestimmten Kontext statt endloser Chats.
- Dokumente landen nicht mehr in E-Mails oder auf privaten Laufwerken, sondern zentral in Microsoft SharePoint. Sie sind versioniert, nachvollziehbar und für alle bearbeitbar.
- Aufgaben und Fälligkeiten organisieren wir in Microsoft Planner. So ist für jede und jeden sichtbar, wer sich gerade womit beschäftigt, welche Prioritäten gelten und wo Unterstützung benötigt wird.
- Für die gemeinsame Arbeit an Konzepten und Ideen nutzen wir Microsoft Whiteboard und Loop. Durch die Möglichkeit der einfachen und gemeinsamen Bearbeitung kann jeder in unserem Team genau dann daran weiterarbeiten, wenn es für sie oder ihn passt.
- Microsoft Copilot ist unser digitaler, immer verfügbarer Kollege, der alles Wichtige zusammenfasst. Er weiss immer genau, woran wir gerade arbeiten, was uns beschäftigt und gibt gern darüber Auskunft.
Die Kultur: Zwischen Direktheit und Diplomatie
Technik allein löst keine kulturellen Spannungsfelder. In jedem internationalen Team entstehen Missverständnisse, die oftmals keine sind:
- Huisun aus Malaysia ist höflich, sehr vorsichtig und meist unverbindlich.
- Claire aus Frankreich spricht Themen klar und unverblümt an.
- Tom aus den USA ist ungeduldig und sucht ständig nach „Quick Wins“.
Das Gespür für die Persönlichkeit eines Menschen kann man in internationalen Teams leider nicht beim gemeinsamen Mittagskaffee oder dem monatlichen UNO®-Spiel in der Kneipe entwickeln.
Deshalb fördern wir Empathie und gegenseitiges Verständnis bewusst durch kurze persönliche Check-ins, regelmässige Teamgespräche und klar definierte Kommunikationsrituale.
Vor allem sprechen wir über persönliche Erwartungen: Wie müssen wir miteinander kommunizieren, um ein gemeinsames Verständnis für Direktheit, Verbindlichkeit und Dringlichkeit zu entwickeln?
Die Zeit: Der unsichtbare Gegner
Eine der grössten Herausforderungen internationaler Teams ist die Zeit. Während in Zürich die Sonne aufgeht, ist es in Kalifornien mitten in der Nacht. Wenn Shanghai in den Feierabend geht, starten die Teammitglieder in New York erst richtig durch.
Wir sollten die Zeit daher als wichtigen und kreativen Faktor in unsere Spielregeln mit einbeziehen:
- Meetings finden nur in den Zeitfenstern statt, in denen sich mindestens zwei Zeitzonen sinnvoll überschneiden.
- Aufgaben werden so dokumentiert, dass sie asynchron weiterbearbeitet werden können.
- Späte Meetings rotieren. Niemand muss immer die oder der „Nach(t)sitzende“ sein.
- KI wird gezielt genutzt, um Antworten auf Fragen zu erhalten, wenn unsere echten Kolleginnen und Kollegen nicht verfügbar sind.
Ausserdem wollen wir die unterschiedlichen Zeitzonen bewusst als Superkraft nutzen und uns morgens im Büro darüber freuen, wenn die Kollegin aus Malaysia mal wieder wertvolle Vorarbeit geleistet hat.
Die Transformation: Von verstreuten Menschen zu einem Team
Spielregeln und Prozesse müssen nicht von Beginn an perfekt aufeinander abgestimmt sein. Entscheidend ist, dass ein kontinuierlicher Austausch stattfindet und Feedback in die gemeinsame Arbeitsweise einfliesst. Alle Teammitglieder sollen ermutigt werden, ihre Ideen und Wünsche offen zu kommunizieren: Was funktioniert und was können wir wieder über Bord werfen?
Dann arbeiten wir nicht mehr nur zusammen, sondern kooperieren, kommunizieren und verstehen einander über Kulturen und Zeitzonen hinweg.
- Teamkultur und gegenseitiges Verständnis sind unser Fundament.
- Microsoft Teams ist unser digitales Lagerfeuer.
- Microsoft Planner ist unser Kompass.
- Microsoft SharePoint ist unser gemeinsamer Wissensspeicher und Archiv.
- Microsoft Copilot ist unser digitaler Kollege und immer ansprechbar.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Nutze Technologie bewusst – weniger ist manchmal mehr
Teams, SharePoint, Planner und Copilot sind mächtige Werkzeuge – aber nur dann, wenn auch gemeinsame Spielregeln dafür definiert sind.
- Betrachte kulturelle Unterschiede als Stärke
Direktheit, Zurückhaltung und Teamorientierung. Vielfalt macht Teams stärker, wenn sie sichtbar wird und sich die Teams bewusst die nötige Zeit dafür nehmen.
- Investiere nicht nur in Prozesse, sondern auch in Beziehungen
Ein kurzer persönlicher Austausch im Meeting kann viel mehr Wirkung zeigen als die neue Richtlinie.
- Schreibe auf, was wichtig ist
Dokumentation schlägt Meeting. Asynchrone Zusammenarbeit ist die Superkraft internationaler Teams. Und denkt daran: Euer Kollege Copilot liebt es zu dokumentieren!
- Gestalte die Zeit fair und kreativ.
Nicht jede oder jeder kann immer um 17 Uhr dabei sein, und das ist in Ordnung. Rotation und Transparenz lösen den Druck.
Microsoft 365 Governance und Compliance
Die Themen Governance und Compliance gehören zu meinen persönlichen Schwerpunkten in der Beratung rund um Microsoft 365. Dabei sind diese Begriffe eher sperrig und das Wort „Spielregeln“ gefällt mir bedeutend besser.
Gemeinsam mit meinem internationalen Team helfe ich Menschen dabei, wirksame und zugleich einfache Regeln sowie praxistaugliche Anwendungsfälle für eine sichere, digitale Zusammenarbeit zu entwickeln. Regeln, die nicht nur dokumentiert werden, sondern einen echten Mehrwert für die tägliche Arbeit bieten.
Fazit
Manchmal ist weniger tatsächlich mehr. Vor allem dann, wenn Regeln klar definiert, von allen verstanden und konsequent gelebt werden.
Internationale Zusammenarbeit wird nicht durch zusätzliche Tools besser, sondern durch Klarheit, Transparenz und gemeinsame Spielregeln.
Und vielleicht macht uns die Zusammenarbeit irgendwann ein kleines bisschen so viel Spass wie eine gemeinsame Partie UNO®.
